Reizdarm – eine Diagnose über Umwege

In den westlichen Industrieländern ist die Diagnose Reizdarm weit verbreitet: Durchschnittlich 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung leiden an einem nervösen Darm, der im Alltag schnell zur Belastung werden kann. Bei den meisten Betroffenen dauert es jedoch eine Weile, bis der Befund tatsächlich feststeht. Denn die Symptome – zum Beispiel Bauchschmerzen, Durchfall, Verstopfung oder Blähungen – sind zunächst sehr unspezifisch und können auf vielerlei Erkrankungen hindeuten. Hinzu kommt, dass bei Reizdarm keine eigene organische Ursache für die Beschwerden festgestellt werden kann: Es handelt sich um eine systemische Erkrankung, was es besonders schwierig macht, Reizdarm richtig zu diagnostizieren.

Verdacht auf Reizdarm – was tun?

Was tun, wenn der Bauch Probleme macht? Je nachdem, wie akut die Beschwerden sind, solltest du entscheiden, ob du gleich einen Termin beim Arzt vereinbarst oder lieber erst einmal abwartest. Sofort untersuchen lassen solltest du dich bei

  • tagelang anhaltendem Durchfall
  • Bauchbeschwerden in Verbindung mit hohem Fieber
  • anhaltenden nächtlichen Beschwerden
  • ungewolltem Gewichtsverlust
  • Blut im Stuhl

Ist dies nicht der Fall, kann es durchaus sinnvoll sein, zunächst einige Tage oder Wochen abzuwarten, deinen Körper zu beobachten und dir zu notieren, wann welche Beschwerden auftreten. Vielleicht steckt nur ein Magen-Darm-Infekt dahinter. Oder du hast eine Nahrungsmittelunverträglichkeit entwickelt, über die deine Notizen erste Anhaltspunkte liefern könnten. Gerade wenn die Beschwerden über einen längeren Zeitraum anhalten und wenn dein Darm vor allem in Stresssituationen rebelliert, ist die Diagnose Reizdarm aber wahrscheinlich.

Reizdarm: Warum die Diagnose so schwierig ist

Chronische Darmbeschwerden, die in unregelmäßigen Abständen und mal stärker, mal schwächer wiederkehren, kann man automatisch unter der Diagnose Reizdarm zusammenfassen?
So einfach ist es leider nicht. Der Weg zum Arzt ist früher oder später unausweichlich, wenn die Symptome nicht von selbst verschwinden. Denn die Anzeichen für Reizdarm sind nicht eindeutig und könnten ebenso gut Symptome anderer Erkrankungen sein. Ein ähnliches Bild zeigt sich zum Beispiel bei bestimmten gynäkologischen Krankheiten, einigen Tumoren oder bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn.

Reizdarmsyndrom – zur Diagnose per Ausschlussverfahren

Wie fast bei jedem Arzttermin beginnt der Mediziner auch beim Thema Darmbeschwerden in der Regel mit einer ausführlichen Anamnese. Im Gespräch lässt sich schnell feststellen, welche Symptome dominant sind und ob sie zum Beispiel kurz nach den Mahlzeiten auftreten. Auch Informationen zu Vorerkrankungen oder Medikamenteneinnahme sind für den Arzt interessant. Anschließend wird der Arzt verschiedene Tests veranlassen, die vor allem dazu dienen, physische Ursachen für deine Beschwerden auszuschließen.

  • Die Basis bildet meist ein Bluttest, der auf Leber-, Gallen- und Bauchspeicheldrüsenwerte sowie auf Entzündungsmarker hin untersucht wird.
  • Durch eine Stuhlprobe erkennt der Arzt eventuellen Parasitenbefall oder verstecktes Blut im Stuhl.
  • Eine Ultraschalluntersuchung des Bauchraums gehört ebenfalls zu den Standard-Untersuchungen bei Verdacht auf Reizdarm.
  • Durch Abtasten des Rektums lässt sich eine gewebliche Veränderung im Enddarm ausschließen.
  • Bei weiblichen Patienten wird meist eine gynäkologische Untersuchung angeordnet, um Endometriose oder Eierstockkrebs auszuschließen.
  • Untersuchungen auf Nahrungsmittelallergien oder -unverträglichkeiten, bei denen du zum Beispiel auf nüchternen Magen Fruktose- und Laktoselösung trinken und anschließend einen Atemtest durchführen musst, ergänzen das ärztliche Ausschlussverfahren. Sind alle Befunde negativ, gilt die Diagnose Reizdarm als relativ gesichert.
  • Eine Reizdarm-Diagnose ohne Darmspiegelung ist theoretisch denkbar – dennoch stellen viele Ärzte eine entsprechende Überweisung zum Gastroenterologen aus, um letzte Zweifel auszuräumen. Insbesondere dann, wenn in der Stuhlprobe Blutbeimengungen entdeckt wurden.

Diagnose Reizdarm – und nun?

Viele Menschen sehen die Reizdarm-Diagnose zwiespältig. Zum einen verspüren sie Erleichterung darüber, dass keine ernsthafte Erkrankung vorliegt. Zum anderen zählt auch Frust zu den gängigen Reaktionen, denn ein nervöser Darm ist zwar harmlos, lässt sich aber nicht einfach mit einem Medikament oder einer Operation heilen. Das bedeutet jedoch nicht, dass Reizdarm nicht behandelbar ist: Es gibt verschiedene Therapieansätze, die Beschwerden wirksam lindern können – zum Beispiel Meditation, autogenes Training oder der gezielte Einsatz von probiotischen Präparaten.

Ob letzteres auch für dich infrage kommt, kann ein detaillierter Stuhltest ermitteln: Der INTEST.pro von BIOMES sagt dir im Gegensatz zum ärztlichen Stuhltest genau, wie es um deine Darmflora bestellt ist und in welchem Verhältnis die Bakterienstämme zueinander stehen. So siehst du, ob Handlungsbedarf besteht und du deinen Darm mit ausgewogener Ernährung und abgestimmten Nahrungsergänzungsmitteln stärken kannst.