3 gute Nachrichten aus der Corona-Forschung


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Wildau, 17. Februar 2021 – Seit etwa einem Jahr begleitet uns das SARS-CoV-2-Virus. Jeder Zweite leidet laut einer aktuellen Umfrage[1] mittlerweile unter einem Corona-Blues und fühlt sich dem Virus ausgeliefert. Beinahe täglich kommen bedrückende Corona-Nachrichten hinzu. Doch es gibt auch Neuigkeiten, die Hoffnung machen. Aktuelle Studien zeigen: Wir können das Infektionsrisiko nicht nur senken, sondern im Falle einer Ansteckung sogar den Verlauf beeinflussen. Im Fokus steht dabei immer stärker das Darm-Mikrobiom. Die neuesten, positiven Erkenntnisse fassen die Expert*innen des Biotechnologie-Unternehmens BIOMES hier zusammen.

 

 

Good News 1: Studie zeigt Zusammenhang zwischen Gleichgewicht der Darmflora und Immunantworten gegen COVID-19

Stopp – kein Einlass für Krankheitserreger! „Reagiert unser Organismus durch Abwehr auf unerwünschte Viren oder Bakterien, sprechen wir von einer Immunantwort“, erklärt Dr. Paul Hammer, Geschäftsführer von BIOMES. „Dabei gilt: Je effektiver diese Antwort ist, desto geringer ist die Gefahr, nach Kontakt Symptome zu entwickeln oder schwer zu erkranken.“

Immer deutlicher wird, dass der Darm dabei eine entscheidende Rolle spielt. „Wichtig sind zwei Bereiche: Einmal die Schleimhaut des Darms, da sich hier bis zu 80 Prozent aller Immunzellen befinden, vor allem B-Zellen, die Antikörper produzieren“, so Systembiologe Hammer. „Und zweitens die Darmflora. Ist das Darmmikrobiom optimal mit gesunden Bakterien besiedelt, sinkt das Risiko für Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Fettleibigkeit. Also genau für die Faktoren, die nachweislich über den Schweregrad einer COVID-19-Erkrankung entscheiden – und damit auch über die Sterblichkeitsrate[2].“ Eine Studie, die kürzlich im BMJ Journal Gut veröffentlicht wurde[3], zeigt unter anderem, dass bei eben jenen Risikogruppen die Darmflora oft geschwächt ist. Die Ergebnisse legen nahe: Wir sind dazu in der Lage mit unserer Ernährung und unseren Lebensgewohnheiten den Krankheitsverlauf entweder positiv oder auch negativ zu beeinflussen.

Aber wie lässt sich das Mikrobiom stärken, also die Anzahl guter Bakterienstämme steigern? Hammer: „Das Fundament ist ganz klar der Lebensstil und eine ausgewogene Ernährung. Was wir essen, beeinflusst direkt die Zusammensetzung unserer Darmflora – und damit die Schlagkraft unseres Immunsystems.“ Im Mittelpunkt sollten darmfreundliche und ballaststoffreiche Lebensmittel stehen, wie Gemüse, Obst und Vollkornprodukte. „Ballaststoffe sind für Menschen unverdauliche Pflanzenbestandteile, die lange unterschätzt wurden. Heute wissen wir, dass sie von den Bakterien verwertet werden, für eine gute Darmflora sorgen und vor Diabetes schützen. Hilfreich sind zudem Probiotika, wie Joghurt, Tofu und Kefir sowie fermentiertes Gemüse.“

Good News 2: Probiotika können COVID-19-Beschwerden lindern und das Risiko für schwere Verläufe senken

Zu Anfang der Pandemie galt COVID-19 in erster Linie als Lungenkrankheit. Doch schnell wurde klar, dass SARS-CoV-2 ein Multiorgan-Virus[4] ist und diverse Organe befallen kann. „Besonders der Darm wird oft in Mitleidenschaft gezogen. Erkrankte leiden beispielsweise häufig unter Durchfall“, sagt Mikrobiologe Dr. Tewodros Debebe, wissenschaftlicher Leiter bei BIOMES. In einer Studie[5], die kürzlich in der Fachzeitschrift Frontiers in Medicine veröffentlicht wurde, unterteilten Mediziner COVID-19-Patient*innen in zwei Gruppen. Beide Gruppen wurden medikamentös gegen das Virus behandelt, eine Gruppe erhielt zusätzlich ein Probiotikum, das aus verschiedenen Bakterienkulturen zusammengesetzt war. „Das Ergebnis war beeindruckend“, so Debebe. „Denn in dieser Gruppe verringerten sich bei fast allen Patient*innen innerhalb von 72 Stunden nicht nur die Darmbeschwerden, sondern auch das Risiko von Lungenkomplikationen reduzierte sich um das 8-fache.“ Debebe hofft, dass diese Erkenntnisse bei der Behandlung von COVID-19-Erkrankten berücksichtigt werden.

Good News 3: Den Mutanten auf der Spur

Während Forscherteams immer mehr über das SARS-CoV-2-Virus herausfinden, bereiten Mutationen den Wissenschaftler*innen, der Bundesregierung und dem Robert-Koch-Institut (RKI) verstärkt Kopfzerbrechen. In Großbritannien grassiert die neue Variante B.1.1.7., in Südafrika verbreitet sich die mutierte Variante B.1.351 rasend schnell. Beide Mutanten wurden auch schon in Deutschland nachgewiesen. Forscher*innen gehen davon aus, dass sie deutlich ansteckender als das ursprüngliche Corona-Virus sein könnten. Ob sie zu schwereren Erkrankungen führen oder tödlicher sind, ist derzeit noch weitestgehend unklar. Ebenfalls wie genau die bisher zugelassenen Impfstoffe auch gegen die neuen Varianten wirken. Bisher wurde in Deutschland kaum das Erbgut der Corona-Viren untersucht. „Doch nur durch diese spezielle Analyse, auch Genom-Sequenzierung genannt, können Mutanten vollständig entdeckt und Schlüsse über die Verbreitung gezogen werden“, erklärt Dr. Paul Hammer. Nun hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) eine Verordnung unterzeichnet, dass Labore fünf bis zehn Prozent aller positiven Corona-Tests auch auf Mutanten untersuchen sollen. Die Ergebnisse werden im Anschluss an das RKI übermittelt. Hammer: „Das ist ein richtiger und wichtiger Schritt, um das Corona-Virus langfristig in den Griff zu bekommen.“

 


[1] https://www.infratest-dimap.de/umfragen-analysen/bundesweit/umfragen/aktuell/fast-die-haelfte-der-deutschen-belasten-die-corona-auflagen-stark/

[2] https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/119602/COVID-19-Diabetes-und-Hypertonie-erhoehen-Sterberisiko-vor-allem-bei-Komplikationen

[3] https://gut.bmj.com/content/70/2/276

[4] https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/112987/Multiorganvirus-SARS-CoV-2-Autopsie-zeigt-Befall-zahlreicher-Organe

[5] https://www.frontiersin.org/articles/10.3389/fmed.2020.00389/full