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Können Probiotika COVID-19 Beschwerden lindern und schwere Verläufe reduzieren?

Das Jahr 2020 wurde von einem Virus beherrscht. SARS-CoV-2, umgangssprachlich „Corona Virus“, ist noch nicht umfassend erforscht, aber klar ist bereits, das er vor allem für ältere Menschen mit Grunderkrankungen wie Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen sehr gefährlich werden kann.

Weit besser erforscht ist jedoch der Sitz unseres Immunsystems: Unser Darm ist für rund 80% der Immunantworten unseres Körpers verantwortlich, nicht zuletzt gemeinsam mit unseren fleißigen Darmbewohnern, den Bakterien. Besonders interessant wird es, wenn man beides – SARS-CoV-2 und nützliche Bakterien – in einen Zusammenhang bringt.

Wie können nützliche Bakterien COVID-19 beeinflussen?

„Viele Studien konnten bereits belegen, dass Probiotika, einfach gesagt Bakterien, die man in Kapselform oder als lebende Kultur in fermentierten Lebensmitteln zu sich nehmen kann, den Darm und die Immunabwehr stärken“, sagt Mikrobiologe Dr. Tewodros Debebe, wissenschaftlicher Leiter bei BIOMES. Eine neuere Studie zeigte nun sogar, dass Probiotika nicht nur die Darmbeschwerden von COVID-19-Erkrankten verringerten, die beispielsweise auch an Durchfall litten, sondern sogar das Risiko von Funktionsstörungen der Lunge minimierten. Dr. Debebe zeigt sich begeistert: „Somit können Probiotika eine vorbeugende Möglichkeit sein, um die schweren Auswirkungen dieser Krankheit bei älteren Menschen zu minimieren oder schwere Krankheitsverläufe zu mildern.“

Zu diesem Ergebnis kam eine Studie, die in der Fachzeitschrift Frontiers in Medicine veröffentlicht wurde1, innerhalb derer COVID-19-Patient*innen in zwei Gruppen aufgeteilt wurden. Beide Gruppen erhielten Medikamente, die typischer Weise gegen COVID-19 eingesetzt werden*. Dazu erhielt Gruppe eins kein Probiotikum, während die zweite Gruppe ein Probiotikum schluckte, das aus verschiedenen Bakterien­kulturen zusammengesetzt war**.

Bakterien­kulturen verringerten nicht nur Durchfall, sondern auch Störungen der Lungenfunktion und schwere Verläufe

Das Ergebnis war eindeutig: fast alle COVID-19-Patient*innen, die mit Probiotika behandelt wurden, zeigten innerhalb von 72 Stunden eine Verbesserung der Durchfall- (und anderer Darm-relevanter) Symptome – ganz im Gegenteil zur Gruppe, die nicht mit Probiotika behandelt wurden. Erstaunlicherweise war sogar das Risiko für die Entwicklung einer Störung der Lungenfunktion bei Patient*innen, die das Probiotikum erhielten, um das 8-fache niedriger. Außerdem war sowohl die Häufigkeit der Verlegung auf die Intensivstation als auch die Sterblichkeit bei den Patient*innen höher, die kein Probiotikum einnahmen.

Da sich der klinische Zustand von COVID-19-Patient*innen innerhalb kürzester Zeit verbesserte, zeigen die Ergebnisse vielversprechende Vorteile einer Probiotika-Behandlung – einerseits zur Verbesserung des klinischen Zustands bereits erkrankter COVID-19-Patient*innen, andererseits zur Vorbeugung schwerer Krankheitsverläufe. Zudem unterstreichen diese Ergebnisse die Bedeutung der Kontrolle der Darm-Lungen-Achse bei infizierten Personen.

Darmmikrobiota und COVID-19 – möglicher Zusammenhang

Obwohl SARS-CoV-2 in erster Linie eine Lungeninfektion verursacht, wurde es auch im Darm infizierter Patient*innen gefunden. Bei einigen Patient*innen zeigten sich Verdauungsbeschwerden, einschließlich Durchfall. Zusätzlich wiesen einige infizierte Patient*innen eine Fehlbesiedlung der Bakterien im Darm auf, die durch eine geringe Anzahl verschiedener nützlicher Bakterien wie Bifidobacterium und Lactobacillus2 gekennzeichnet war.

Dr. Debebe erklärt: „Sowohl ältere Menschen, als auch Menschen mit chronischen Krankheiten haben häufig eine zu niedrige Diversität der Darmbewohner. Das heißt, dass sie einerseits zu wenige Bakterien im Darm haben, die andererseits aus zu wenig unterschiedlichen Bakterienstämmen bestehen. Das kann man nun auch bei COVID-19 Patient*innen beobachten3.“

Bakterien im Darm: Je mehr, umso besser?

Es gibt tausende verschiedener Bakterien, die unseren Darm bewohnen, die meisten davon wirken sich positiv aus. Während einige davon Krankheitserreger mit ihren Giften töten können, aktivieren andere unsere körpereigenen Immunzellen. Wieder andere Bakterien kümmern sich darum, unsere Nahrung möglichst gewinnbringend zu verwerten, andere Stämme helfen uns, gut zu schlafen und fröhlich zu sein. Deshalb gilt – je mehr unterschiedliche Bakterienstämme dein Darm beherbergt, umso vielfältigere Funktionen können die Bakterien für dich ausführen. In diesem Falle gilt also nicht „weniger ist mehr“ sondern das Gegenteil „Je mehr, umso besser.“

Was sind Probiotika?

Probiotika bestehen aus Einzel- oder Mischkulturen von lebenden Mikroorganismen, die beispielsweise in Kapselform eingenommen werden können. Seit einigen Jahren werden sie eingesetzt, um die Aufrechterhaltung der Darmmikrobiota positiv zu beeinflussen. Heutzutage gibt es bereits valide wissenschaftliche Beweise für die Fähigkeit von Probiotika, das Immunsystem zu stärken und dadurch die Besiedlung von Krankheitserregern zu verhindern sowie die Häufigkeit und Schwere von Infektionen zu reduzieren.

* Die Therapie bestand aus Antibiotika, Hydroxychloroquin und Tocilizumab, allein oder in Kombination

** Eine sogenannte Multi-Stamm-Formulierung

1. d’Ettorre et al. Challenges in the Management of SARS-CoV2 Infection: The Role of Oral Bacteriotherapy as Complementary Therapeutic Strategy to Avoid the Progression of COVID-19. Frontiers in Medicine 2020, 7:389. https://www.frontiersin.org/articles/10.3389/fmed.2020.00389/full

2. Xu et al. Management of COVID-19: the Zhejiang experience. Zhejiang Da Xue Xue Bao Yi Xue Ban 2020, 48:147-157. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32391658/

3. Dhar and Mohanty. Gut microbiota and Covid-19- possible link and implications. Virus Research 2020, 285: 198018. http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0168170220304603

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Dr. Tewodros Debebe Aklilu
Head of Science & Co-Founder
Mitgründer und Head of Science bei BIOMES. Im Jahr 2017 promovierte er in Medizinischer Mikrobiologie.
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