Biohacking und Ernährung: Vorsicht vor Selbstoptimierungswahn

Biohacking ist mehr als ein Lebensstil. Beim neuesten Trend aus den USA möchten Menschen ihren eigenen Körper möglichst gut verstehen, um ihn mit kleinen Tricks zu optimieren. Durch Selbstvermessung und Verhaltensänderungen erhoffen sie sich mehr Energie, einen besseren Schlaf und stärkere Leistungen. Der Lifestyle, der seinen Ursprung im Leistungssport hat, findet auch in Deutschland immer mehr Anhänger.

Franziska Dreidax, Ernährungswissenschaftlerin bei dem Biotechnologieunternehmen BIOMES, kennt die positiven, aber auch die eher bedenklichen Aspekte von Biohacking. Als Ernährungsexpertin bei BIOMES berät sie täglich Kundinnen und Kunden über die richtige individuelle Ernährung. Sie sagt: „Grundsätzlich ist es gut, sich intensiv mit seinem Körper und der Lebensmittelauswahl auseinanderzusetzen. Problematisch wird es dann, wenn der Lebensstil in einen Selbstoptimierungswahn oder eine Orthorexie, dem krankhaften Bestreben nach gesundem Essen, umschlägt. Ernährung soll auch Spaß machen und ein Genuss sein.“

Ketogene Ernährung und Nahrungsmittelergänzung: „Nur unter Aufsicht von Experten“

Viele Biohacker halten sich streng an die ketogene Ernährungsweise. Ihre Grundlage bilden stärkearmes Gemüse, Fleisch, Fisch, Eier, Butter, Oliven- und Kokosöl, Nüsse, Samen und Beeren. Allerdings rät Franziska Dreidax folgendes: „Die ketogene Diät sollte möglichst nur in Begleitung von Fachpersonal durchgeführt werden. Da sie sehr kohlenhydratarm ist und kaum Vollkornprodukte gegessen werden, entsteht sonst schnell ein Mangel an Ballaststoffen.“

Auch bei Nahrungsergänzungsmitteln wie der Zugabe von Vitamin D oder Omega-3-Fettsäuren ist Vorsicht geboten: „Grundsätzlich sollte man nur dann supplementieren, wenn ein entsprechender Mangel vom Arzt festgestellt wurde. Ansonsten kann es auch zu einer Überdosis kommen. Die Folgen können Müdigkeit und Antriebslosigkeit sein. Prinzipiell kann man bei einer ausgewogenen Ernährung alle wichtigen Vitamine und Nährstoffe durch die Lebensmittel aufnehmen“, sagt die BIOMES-Expertin.

Tipps von der Ernährungsberaterin

Biohacking? Ja, auf natürlicher Basis!

Diese drei Biohacking-Tipps auf natürlicher Basis von Franziska Dreidax kann jeder leicht in seinen Alltag integrieren:

Zum Hintergrund

Den Körper mit Ernährung „hacken“

Fitnessuhren, kalte Duschen, spezielle Trainingsformen wie High Intensity Interval (HIIT) Training oder Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation und Atemübungen: Biohacker holen das Beste aus Körper und Geist raus. Vor allem aber setzen die Anhänger dieses Lifestyles auf die Ernährung, um ihr volles Potenzial auszuschöpfen.

Oftmals meiden Biohacker Fleisch und greifen stattdessen lieber zu frischem Gemüse, am liebsten in Bio-Qualität. Auf kohlenhydrathaltige Lebensmittel wie Nudeln oder Brot verzichten sie weitestgehend. Sie achten penibel darauf, ausreichend gesunde Fette zu sich zu nehmen und schwören auf das MCT-Öl. Dieses besteht aus mittelkettigen Fettsäuren und ist unter anderem in Kokos- und Palmöl enthalten. Beispiel: Der „Bullet Proof Coffee“, bei dem schwarzen Kaffee ein Teelöffel Kokosöl beigemischt wird. Das Heißgetränk soll so den besonderen Energiekick geben.