Reizmagen: Wenn der Magen nervös wird

Etwa ein Drittel der Deutschen leidet regelmäßig unter Beschwerden wie Völlegefühl, Übelkeit oder unbestimmten Schmerzen in der Magengegend, ohne dass diesen ein klinischer Befund zugrunde liegt. Wird für Oberbauchbeschwerden in medizinischen Untersuchungen und Labortests keine Ursache gefunden, sprechen Ärzte von einer funktionellen Dyspepsie, also funktionellen Magen-Darm-Beschwerden.
Dieser Fachbegriff setzt sich aus folgenden griechischen Worten zusammen: dys = Funktionsstörung oder Störung eines Zustands, pepsis = Verdauung. Im Deutschen geläufiger sind die Begriffe Reizmagen oder nervöser Magen. Bei vielen Betroffenen treten die Beschwerden so häufig auf, dass die Lebensqualität darunter leidet. Oft entwickeln sich die Symptome über einen Zeitraum von mehreren Monaten. Die genauen Beschwerden sind individuell verschieden: Während manche Patient*innen von anhaltenden Symptomen sprechen, zeigt sich der Reizmagen bei anderen in unregelmäßigen Abständen oder ausschließlich kurz nach dem Essen.

Typische Symptome eines Reizmagens

Ein Reizmagen äußert sich in einer Vielzahl unterschiedlicher Verdauungsbeschwerden; ein einheitliches Beschwerdebild existiert nicht. Auch der Zeitpunkt des Auftretens unterscheidet sich bei den Patient*innen. Der Großteil der Betroffenen verspürt allerdings Druckgefühl im Oberbauch sowie Schmerzen in der Magenregion. Oft sind Betroffene nicht in der Lage, die Schmerzen genau zu lokalisieren. Im Einzelfall können die Schmerzen bis in den Rücken ausstrahlen.
Darüber hinaus sind die folgenden Symptome typisch bei einem nervösen Magen:

  • Völlegefühl
  • Sodbrennen
  • Vermehrtes oder saures Aufstoßen
  • Appetitmangel
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Abneigungen gegenüber bestimmten Lebensmitteln
  • Kreislaufprobleme
  • Herzrasen oder -stechen
  • Vermehrtes Schwitzen

Die individuellen Symptome stehen üblicherweise in engem Zusammenhang zum Zeitpunkt ihres Auftretens. Treten sie beispielsweise überwiegend im Anschluss an eine Mahlzeit auf, spricht man von einem postprandialen Schmerztyp: Bei diesem kommt es sehr häufig zu Völlegefühl, vorzeitiger Sättigung und Sodbrennen.
Typisch für einen Reizmagen ist auch das gleichzeitige Auftreten mit dem Reizdarm-Syndrom . Nicht selten kommt es zusätzlich zu den Beschwerden im Oberbauch auch zu Blähungen und Stuhlunregelmäßigkeiten wie beispielsweise Durchfall. Die Symptome können dabei gleichermaßen den Ober- und Unterbauch oder nur eine der beiden Regionen betreffen. Stellen Betroffene dagegen Blut im Stuhl oder einen starken Gewichtsverlust fest, liegt die Ursache sehr wahrscheinlich woanders – in diesem Fall sollte schnellstmöglich ein Arzttermin vereinbart werden.

Ursachen für einen Reizmagen: So vielfältig wie die Symptome

Ebenso unterschiedlich wie Ausprägung, Auftreten und Beschwerdebild eines Reizmagens sind die dahinterstehenden Ursachen. In der medizinischen Forschung geht man davon aus, dass einige Menschen über ein besonders sensibles Nervensystem im Bereich des Magen-Darm-Trakts verfügen und daher sehr empfindlich auf verschiedene Reize reagieren. Der allgemeinsprachliche Begriff des „nervösen Magens“ scheint daher gut zu passen. Die möglichen Auslöser können dabei sowohl externer als auch interner Art sein: So können bestimmte Nahrungsmittel und Medikamente, wie beispielsweise Koffein, Alkohol oder auch bestimmte Schmerzmittel, die Magenschleimhaut reizen und bei sensiblen Personen zu Beschwerden führen. Ähnliches gilt für plötzliche Ernährungsumstellungen sowie eine zu einseitige Ernährung und einen ungesunden Lebensstil.
Eine gleichermaßen große Bedeutung wird psychischen Belastungen zugeschrieben: „Stress schlägt auf den Magen“ – ein Spruch, den wohl jeder kennt. Auch andauernde Sorgen und zu wenig Schlaf können sich negativ auf das Verdauungssystem auswirken. Eine unzureichende Bewegung des Magens führt dazu, dass Nahrung länger im Magen liegt und unter Umständen Schmerzen verursacht. Darüber hinaus vermuten einige Mediziner*innen auch einen Zusammenhang zwischen den Beschwerden und dem Bakterium Helicobacter pylori, das den Magen besiedeln und eine Entzündung verursachen kann.
Um organische Ursachen, wie zum Beispiel ein Magengeschwür, auszuschließen, ist bei anhaltenden Beschwerden stets ein Arztbesuch mit ausführlicher Anamnese und einer detaillierten Untersuchung notwendig. Diese beinhaltet üblicherweise eine Blutuntersuchung, eine Ultraschalluntersuchung sowie eine Magenspiegelung. Treten bei dem/der Patient*in zusätzlich auch Symptome des Reizdarm-Syndroms auf, wird eventuell zusätzlich eine Darmspiegelung empfohlen. Basierend auf den Ergebnissen ist dann die Diagnose Reizmagen möglich. Meist lässt sich im Anschluss durch gezielte Behandlung eine deutliche Linderung der Symptome erzielen.
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